Mehr Licht
08.November.2009
oder: Die Ente bleibt draußen
Nicht nur auf der A43 bei Haltern ist heute morgen dichter Nebel, hier auch. Doch der ist nicht Schuld daran, daß wir seit zwei Tagen so gut wie ohne Strom sind. In den letzten 56 Stunden waren es vielleicht 6 Stunden. Alle naselang melden sich die USV, und sind nach 20 Minuten erschöpft. Wie dann auch wir, denn ohne Klimaanlage wird es verdammt schnell warm, schwül, drückend in den Zimmern, überhaupt im Hotel.
Schuld daran: einer der Generatoren. Die Nigerianer haben es doch tatsächlich geschafft, die Spule durchbrennen zu lassen. So, wie die aussieht, hat das mehr als nur kräftig gefunkt. Nun ja, wenn man einen Dreiphasen-Generator hat, das Hotel, komplett(!) allerdings nur auf einer betrieben wird,... das kann nicht gut gehen.
Auch so wird es immer abenteuerlicher. An die Preisänderungen, und die anschließenden Diskussionen haben wir uns ja schön gewöhnt. Doch das Stijn jetzt auch schon das Brot für die Suppe bezahlen sollte... oder Tom das Wasser, um die Milch für die Cornflakes zuzubereiten... Mail funktioniert so gut wie gar nicht mehr, gesicherte Verbindungen sind nicht möglich. Hoffentlich gleich auf dem Compound wieder...
Ansonsten: Freitag Besuch einer lokalen TV-Station. Abenteuerlich, selbst so manches Studio vom Bürgerfernsehen hat bessere Deko, und träumt trotzdem nicht davon, ab 2012 in HD zu senden.
Ach ja: da wir auf dem Compound abgeholt worden (sollen), sind wir also erst mit anderen Kollegen zu ebendiesem gefahren, denn diese wollten dort im Schnellrestaurant was zu Mittag essen. Und gut, daß wir da waren, denn es gab einen mittelschweren Herzinfarkt - die Stromkabel von Ü-Wagen, Uplink- und Grafikcontainer waren... vom Kasten getrennt. Alle lagen frei auf dem Beton. Man wolle endlich die USV installieren. Und hatte nicht bedacht, daß ein Ü-Wagen ja hätte auch in Betrieb sein können, auch, wenn Niemand da ist. Nun ja, zum Glück hatten wir ihn komplett ausgeschaltet. Und jetzt Bange, daß man es hoffentlich rechtzeitig schafft, alles wieder anzuschließen. Denn es sollte abends ein Lichttest stattfinden, um der FIFA die Möglichkeit zu geben, evtl. das Spiel von 19 Uhr auf 16 Uhr vorzuverlegen. Und ohne Kameras, Uplink, irgendwie sieht das nicht aus. Der Test wurde übrigens abgesagt.











Abends dann gemütliches Zusammensitzen von EBU und Alfacam am Pool. Ja, genau der mit den "Olympischen Ausmaßen." Und Tontechnikerinnen, die widersprechen, gehören... eben in diesen hinein. Tom links, ich rechts, Maike fast im Pool. OK, wir haben sie dann doch vorher auf den Beckenrand gelegt. Und ich hörte nur noch "Watch out!!!" von Benjamin... und Tom und ich lagen im Pool. Hatten die EBU-Jungs doch die Chance ergriffen, uns da rein zu stoßen. Nicht nur das es gut tat, die Stimmung hoch, die Jeans jetzt noch enger sitzt, und ebenso wie Shirt, Schuhe, Portemonnaie inkl. Führerschein chemisch gereinigt ist... es war der Auftakt zu einem fröhlichen "Spiel ohne Grenzen." Tom und mir konnte es ja jetzt egal sein, wir waren kletschnass. So landeten auch die Jungs im Pool. Verluste: eine Digitalkamera, ein Mobiltelefon.
Samstag dann wieder Komplettaufbau, heute Italien vs. Schweiz. Wenn wir uns heute alle besse fühlen, denn irgendwas war gestern am, im Essen, denn wir wurden alle etwas bleich im Gesicht, und sehr ruhig. Was nicht nur am Aussehen der Stadionbilder beim Lichttest lag. Gestern fand er dann also statt. Wer das Spiel sieht: Nein, es schneit hier nicht, das was wie Schnee und Eis auf dem Rasen aussieht, ist die Reflexion des Flutlichtes auf dem Kunstrasen. Die Kameras können keinen Fokus ziehen, doch der FIFA ist das egal. Anscheinend auch, daß die Werbebanden ziemlich, naja, aussehen. Unscharf bleibt unscharf.
Dann DeRig, und morgen geht´s zurück nach Lagos. Noch nie habe ich mir so sehr das herbei gewünscht. Dieses Hotel hat aber auch wirklich nichts unversucht gelassen, uns aufs Höchste zu erfreuen. Immer um unser Wohlergehen besorgt, mit freundlichen Anrufen nachts, daß das Internet wohl nicht geht, immer wieder neuen Kreationen beim Abendessen, und 24 Stunden Strom.... pro Woche.
Und am meisten bin ich froh darüber, daß diese kleine Spinne die ganze Nacht schön in ihrem Spalt zwischen Decke und Wand geblieben ist. OK, sie tun einem ja nix, doch selbst ich habe mich kurz erschrocken, als ich sie an der Wand laufen sah, und jetzt nur noch die Beine. An mir ist ja nicht so viel dran. Und es wird auch nicht mehr, obwohl ich jetzt schon zwei Wochen keine Zigarette mehr angerührt habe...

Und was in Deutschland der Samstag, ist hier der Sonntag... Autowaschtag...



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